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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bearbeiter/Bearbeiterin: Dirk Fredl

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Datum 21.03.2005

 
Presseinformation

Das Modellprojekt „Schulvermeider“ im Lahn-Dill-Kreis

Schulvermeider-Karrieren beginnen in der Regel mit 12 bis 14 Jahren. Oftmals sind es dabei zunächst einzelne Randstunden, die „geschwänzt“ werden. Mit der Zeit bleiben die Betroffenen dann ganze Tage, unter Umständen Wochen oder Monate, der Schule fern. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen (Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002) haben ergeben, dass sich Jungen häufiger als Mädchen dem Unterricht entziehen. Die höchsten Fehlzeiten werden den Forschern zufolge von Schülern, die Haupt- und Sonderschulen besuchen, gemeldet. Die Gründe für das so genannte Schwänzen sind vielfältig. Meist gibt es nicht eine Ursache, sondern mehrere Faktoren, die zusammen für die Betroffenen eine unerträgliche Belastungssituation ergeben, welche die Schüler vermeiden wollen. Eine große Rolle spielen den Untersuchungen zufolge Ursachen, die im Zusammenhang mit der Schule stehen. Schlechte Schulleistungen, Konflikte mit Mitschülern oder Lehrern sowie Klassenwiederholungen können Schüler derart verängstigen, dass sie dem Unterricht fern bleiben. Kommen noch außerschulische Probleme wie gesundheitliche Störungen oder familiäre Konflikte hinzu, reagieren Schüler häufig mit Schulvermeidung. Damit sich das ändert, hat das Hessische Kultusministerium zusammen mit dem Hessischen Ministerium des Inneren und für Sport das Modellprojekt „Schulvermeider“ ins Leben gerufen, das seit 2003 an acht Schulen im Lahn-Dill-Kreis mit Unterstützung des Staatlichen Schulamtes für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg/Weilburg erprobt wird.

Entstehung

Die Einführung des Modellprojekts „Schulvermeider“ im Lahn-Dill-Kreis geht zurück auf eine Initiative des Präventionsrates in Wetzlar sowie von Oberbürgermeister Wolfram Dette. Angeregt durch Erfahrungen der „Schulschwänzerinitiative“ der Stadt Nürnberg entstand 2002 die Idee, ein ähnliches Projekt auch in der Region Lahn-Dill anzusiedeln.

In Abstimmung zwischen dem Innen- und dem Kultusministerium wurde im April 2003 eine Projektskizze durch das Landespolizeipräsidium erstellt. Eine Modellregion sollte ausgewählt werden. Nur einen Monat später fiel die Wahl auf den Lahn-Dill-Kreis, da dort bereits zu dieser Zeit günstige Strukturen bestanden, insbesondere durch das Zentrum für Beratungs- und Erziehungshilfen (ZeBraH), die Arbeitsgruppe „Gewalttäter an Schulen“ (AGGAS) und die Koordinierungsstelle Gewaltprävention. Seit Juli 2003 arbeiten verschiedene Behörden, Institutionen und Schulen aktiv an dem Modellprojekt.

Beteiligte Institutionen

Die Projektleitung liegt beim Staatlichen Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg/Weilburg. Hier zeichnen die beiden Schulpsychologen Marianne Heiser und Bernd D`Amour sowie die schulfachliche Aufsichtsbeamtin Magdalena Georg für das Projekt verantwortlich. Sie werden unterstützt durch Jugend- und Gesundheitsamt, die Polizei, eine Richterin sowie folgende acht Schulen: die Grundschule Ehringshausen, die Comenius-Schule Herborn, die Johann-Heinrich-Alsted-Schule Mittenaar, die Westerwaldschule Driedorf, die Integrierte Gesamtschule Ehringshausen sowie in Wetzlar die Freiherr-vom-Stein-Schule, die Eichendorff-Schule und die Pestalozzi-Schule.

Ziele

Die Sicherung und Gewährleistung des regelmäßigen Schulbesuchs und somit auch die Prävention stellen das wichtigste Ziel des Projekts dar. Bei auftretender Schulverweigerung soll die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus verbessert, der Informationsfluss soll gesichert und Beratungsangebote sollen gemacht werden. Zwischen den beteiligten Institutionen sollen entsprechende Kooperationsformen entwickelt werden. Die beteiligten Schulen sollen in Bezug auf den Umgang mit Schulvermeidern weiterqualifiziert werden. Für sie sollen Kriterien und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden, zudem sollen die Diagnosefähigkeit und Beratungskompetenz erweitert werden.

Teilprojekte

Seit Beginn des Projektes wurde und wird in unterschiedlich zusammengesetzten Gruppen an verschiedenen Bereichen des Problems gearbeitet. Die folgende (unvollständige) Übersicht gibt einen kleinen Einblick in derzeit laufende Teilprojekte.

Fehlzeitenerfassung

Die beteiligten Schulen erfassen systematisch die Fehlstunden aller Schüler. So soll schneller nachvollzogen werden können, welche Schüler immer wieder fehlen und somit genauer beobachtet werden müssen. An vielen Versuchsschulen geschieht das mittlerweile mit Hilfe eines Computerprogramms, so dass die Schulleitung sofort überprüfen kann, welche Jugendlichen nicht anwesend sind.

Schulischer Interventionsplan

Die Ursachen für häufiges Fehlen sollen zunächst in einem Gespräch mit dem betroffenen Schüler und dessen Eltern geklärt werden. Anschließend wird entschieden, ob eine rein schulische Intervention ausreicht oder ob andere Institutionen wie das Jugend- oder Gesundheitsamt oder die Polizei hinzugezogen werden sollten. Ein Beteiligter dieser Institutionen soll bestimmt werden, der den Fall verantwortlich betreut, dieser überprüft, ob gemachte Absprachen eingehalten werden.

Beratungskompetenz

Das Staatliche Schulamt bildet Lehrer der beteiligten Schulen fort, um betroffene Eltern und Schüler erfolgreicher beraten zu können. Dabei werden diese Pädagogen im Hinblick auf spezielle Techniken der Gesprächsführung geschult. Sie sollen anschließend mit Unterstützung des Staatlichen Schulamtes als Multiplikatoren wirken.

Biographieanalysen

Um diejenigen Schüler, die zu den massiven Schulvermeidern gehören, ausführlicher befragen zu können, hat die Projektgruppe ein Raster zur Erfassung der konkreten Schulschwänzerbiographie erstellt. Dieses Raster beinhaltet sowohl chronologische Daten wie auch eine Auflistung schulinterner Maßnahmen und Kooperationen mit anderen Institutionen. So kann der Verlauf der Vemeiderkarriere besser analysiert werden, so dass ein Eingreifen erleichtert wird.